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Gaasterland entstand durch heranwälzende Gletschermassen

In einem Gletschertal segeln, auf den Klippen Minigolf spielen...

Das Salzburgerland und Gaasterland weisen einige Gemeinsamkeiten auf. Beide Regionen ragen ein beträchtliches Stück über den Meeresspiegel hinaus, in beiden Regionen bestimmen Naturschutzorganisationen und die Landwirtschaft das Landschaftsbild und gibt es zahlreiche Seen. Beide sind seit Jahrhunderten Ferienziele – “Evergreens”, die mit der Zeit Schritt gehalten haben.

Einzigartig

Was die Gemeinde Gaasterlân-Sleat zu bieten hat, findet man allerdings nicht im Salzburgerland: Glatte Fahrradwege durch die Wälder und Wiesen, freie Fahrt und genügend Wind für Action auf dem Wasser, Erholungsgewässer quer durch die Wälder, Sandstrände und Abendrot, das im See versinkt. Wenn Mozart das je gesehen hätte, würde André Rieu jetzt vom “Sonnenuntergang am IJsselmeer” singen und Mozartkugeln auf einer Bank auf dem Mirnser Kliff essen...

Gutwettergarantie

Gaasterland hat frische Luft, Wälder, Wiesen und viele Erholungsgewässer zu bieten. Die Region lädt Spaziergänger, Radfahrer und Freizeitkapitäne zum Aktivurlaub ein.

Die Kombination aus Erholung zu Land und zu Wasser findet man verhältnismäßig selten. Sie bietet Touristen eine so genannte Gutwettergarantie. Bei strahlendem Sonnenschein sind die schönen Strände am IJsselmeer und Slotermeer ein Publikumsmagnet. Bei niedrigeren Temperaturen schnappt man sich beispielsweise das Fahrrad und unternimmt einen Ausflug durch die Natur und zu überdachten kulturellen Sehenswürdigkeiten. Oder man geht irgendwo in einem Restaurant mit dem Flair von damals und der feinen Küche von heute gut essen. Es gibt so viel zu sehen und zu unternehmen!

Eine gute Ehe

Die Gemeinde Gaasterlân-Sleat entstand am 1. Januar 1984 durch den Zusammenschluss der Gemeinden Gaasterland (Gaasterlân) und Sloten (Sleat). Charakteristisch für Gaasterland ist die höhere Lage mit sanften Niederungen. Die grüne “Parklandschaft” ist zwischen der IJsselmeerküste und den friesischen Seen verankert. Sloten ist als eine der elf friesischen Städte und geschützte Festung weithin bekannt. Hier gibt es sogar noch einen echten städtischen Ausrufer.

Mehr Wasser als Wald

Die Gemeinde Gaasterlân-Sleat ist eigentlich ein großer Landschaftspark. Land- und Forstwirtschaft gehen hier einträchtig mit der Tourismus- und Erholungsbranche Hand in Hand. Die Gemeinde hat 10.000 Einwohner und besteht aus 1.100 Hektar Waldfläche und nicht weniger als 11.773 Hektar Wasserfläche mit Seen und Kanälen (inkl. einem Teil des IJsselmeers).

Gaasten: Geschiebelehmhügel

aus der Eiszeit

Vor über 100.000 Jahren kühlte sich das Weltklima beständig ab. Die Tausende von Jahren währenden Kältephasen, die Eiszeiten, wechselten sich mit wärmeren Perioden ab.

Die Höhenzüge von Gaasterland sind in der vorletzten Eiszeit entstanden. Damals führte mehr als 250 Meter dickes Inlandeis Geschiebelehm aus Skandinavien mit. Geschiebelehm ist dicker Lehm mit kleinen und großen Findlingen. Diese Grundmoräne lagerte sich in der nördlichen Hälfte der Niederlande durch das langsame Abschmelzen der Eismassen ab. Die Schichten erreichten zuweilen Dicken von mehreren Metern. Da sich das Eis am Ende der Eiszeit zurückzog und ein paar Mal zeitweise wieder südwärts vorgeschoben wurde, konnten sich Geschiebelehmhügel bilden. Diese Hügel sind ellipsenförmig und über zehn Meter hoch. Sie werden auf Friesisch “gaasten” genannt – daher der Name Gaasterland.

Natürlich verursacht ein Gletscher an zwei Seiten durch die Anhäufung von Erdreich die Bildung von Wällen. Der Wall auf der Südseite ist Gaasterland. Auf der Nordseite des Tals, der heutigen Seenkette Morra, Fluessen und Heegermeer, ist das der Höhenzug von Koudum.

Die vielen Findlinge wurden in der Zeit von 3000 bis 2400 vor Christus (Spätsteinzeit) insbesondere in Drenthe zum Bau von Hünengräbern verwendet. Später dienten sie als Fundament für Kirchen und ab dem 18. Jahrhundert zur Befestigung von Deichen.

Kliffs

Die vorgeschobenen Geschiebelehmklumpen haben das dahinter liegende Land immer vor den Angriffen der Zuiderzee geschützt. Durch die beständige Brandung der vorstoßenden See wurden im Mittelalter Stücke aus den Hügeln herausgerissen. Hierdurch entstanden steile Küstenränder – die Kliffs. Bekannte Felsen in der Brandung sind die Kliffs bei Oudemirdum und Mirns. Seit die See 1932 durch den Bau des Abschlussdeichs gezähmt wurde, ist es mit der Abrasion vorbei. Die Böschungen sind bewachsen und viel weniger schroff als früher. Das Oudemirdumer Kliff ist jetzt ein Naturschutzgebiet mit einem Aussichtspunkt. Das neben dem Naturgebiet gelegene Hege Gerzen ist ein beliebtes Erholungsgebiet mit einem schönen Sandstrand, einem Imbissrestaurant und einer neuen Minigolfanlage. Das Mirnser Kliff in der Nähe von Rijs hat auch einen schönen Sandstrand.

Wälder

Gaasterland hat die Form einer Schüssel. Vom Rand aus, wo die meisten Dörfer liegen, hat man einen schönen Blick auf das flache Umland. Die Wälder in der verhältnismäßig ebenen Mitte waren früher mit Heide bewachsen. Vorwiegend im 17. Jahrhundert wurde hier Buschwald aufgeforstet, um die Anwohner mit Holz zu versorgen. Die Bauern pflanzten hier außerdem eigene Eichenwäldchen an, die auch als Grundstücksgrenzen für ihre kleinen Weideflächen dienten. Die Eichenstämme wurden gefällt, entrindet und die Rinde an Gerbereien verkauft. Die Wallhecken und das Weideland prägen noch heute das abwechslungsreiche Landschaftsbild von Gaasterland. Die Waldflächen wurden später teilweise gerodet und Acker- und Weideflächen genutzt. Die übrigen Buschwälder konnten sich in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts zu Hochwaldflächen entwickeln, die heute unter Anderem von der staatlichen Forstverwaltung, “It Fryske Gea” und der Stiftung Natuurmonumenten verwaltet werden. Die Wälder bestehen aus Eichen, Birken, Buchen und vielen Nadelbäumen wie Lärchen, Kiefern und Douglastannen. Außerdem wachsen hier viele Farnarten.

Der Menno van Coehoornbos be Wyckel und der Rijsterbos wurden im 17. Jahrhundert als Teil eines Landguts angelegt, das für seine typische “Stinsenflora” bekannt ist. Pflanzen wie Bärenlauch, Eisenhut, wilde Waldtulpe, Hyazinthe und Aderwurz wachsen fast ausschließlich in den Gärten ehemaliger Stadt- und Landschlösschen (“Stinsen”), Klöster und Pfarreien.

Die Gaasterlander Wälder sind alle öffentlich zugänglich und durch wunderschöne Alleen und Pfade erschlossen. Hier kann man herrlich wandern, Rad fahren und reiten. Bei Harich gibt es einen Reitstall.

Seen

Die Gemeinde Gaasterlân-Sleat hat eine “Meer-” und eine Seeseite. Das “Meer” heißt seit der Fertigstellung des Abschlussdeichs im Jahr 1932 IJsselmeer und ist jetzt ein Binnensee. Im Westen und Norden der Ge

meinde liegen die Seen Morra, Fluessen und Slotermeer. Die drei miteinander verbundenen Seen Morra, Fluessen und Heegermeer sind ei-

gentlich ein überschwemmtes Gletschertal.

Die meisten friesischen Seen sind zu Beginn des Mittelalters entstanden, als die Vermoorungsphase auf dem Flugsand abgeschlossen war.

Der Flugsand hat sich vor 70.000 bis 80.000 Jahren während der letzten Eiszeit auf dem Geschiebelehm abgelagert. Der Moorboden hat sich vor Allem in dem feuchtwarmen Atlantikerdzeitalter (5500 – 3000 vor Christus) gebildet. Damals entwickelte sich eine üppige Vegetation, die in dem nassen Klima buchstäblich ertrank. Da die Pflanzenreste nicht ganz verrotteten, blieb viel Kohlenstoff zurück. Der Kohlenstoffgehalt des Moorbodens ist für den Heizwert des daraus gewonnenen Torfes ausschlaggebend.

Der Meeresspiegel stieg dermaßen an, dass die “Niedere Mitte” Frieslands überschwemmt wurde. Stürme spülten riesige Moorklumpen weg und so bildeten sich große Seen. Die Geschiebelehmformation Gaasterland blieb praktisch unberührt.


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